(c) Robert Boecker

Anselm Grün: „Ich bin sehr dankbar“

  • 09.01.19 11:37
  • Martin Mölder
  •   Nachgefragt

Pater Anselm, Sie haben mittlerweile über 300 Bücher geschrieben. Was inspiriert Sie?

Beim Schreiben versuche ich mir immer konkrete Menschen vorzustellen, die mir Fragen gestellt haben, auf die ich antworten will. Oder aber, ich will selbst für mich Klarheit gewinnen. Da sind dann oft biblische Texte die Inspiration oder auch alte Texte, die ich gerne neu deute. Und zuletzt inspirieren mich auch die Menschen, die ich in unserer Abtei begleite und damit zusammenhängend immer die Frage: Was brauchen die Menschen, was tut ihnen gut?

Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass Ihre Bücher Menschen berühren, ja sogar verändern?

Dann bin ich sehr dankbar und oft auch beschämt, weil ich mit solchen Reaktionen auf meine Bücher früher nicht gerechnet habe. Wenn mich zum Beispiel Menschen ansprechen, die einen Todesfall in der Familie hatten und mir sagen, dass ein Trauerbuch von mir ihnen geholfen hat, dann bin ich wirklich unendlich dankbar.

Wie wichtig war Ihr katholisches Elternhaus für Sie im Rückblick?

Mich hat meine Erstkommunion schon sehr berührt und ich habe damals bereits mit meinem Vater gesprochen, ob er glaubt, dass Priester später einmal etwas für mich sein könnte. Mein Onkel Sturmius Grün war damals schon Benediktiner in der Abtei Münsterschwarzach und ich kam dann ja auch mit zehn Jahren dort ins Internat. Das war allerdings nicht so einfach. Wir sind damals nur dreimal im Jahr heimgekommen, ich hatte oft Heimweh und die Franken sprechen ja auch ganz anders als die Oberbayern (lacht). Aber immer wenn wir Fußballspielen durften, war alles wieder in Ordnung. Ich hatte damals schon den Ehrgeiz, gut in der Schule zu sein und auch – vor dem Abitur – den Ehrgeiz, Theologie mal anders zu verkünden.

Sie sind mit 19 Jahren, damals noch als Willi Grün, in den Benediktinerorden eingetreten. Wie haben Sie die ersten Jahre im Kloster Münsterschwarzach erlebt?

Das Klosterleben war natürlich am Anfang auch eng und streng und ich hatte nach fünf Jahren eine echte Krise, aber dann sind wir im Studium nach St. Ottilien gekommen und vor allem nach Rom und haben da eine große Freiheit kennengelernt und die römische Welt. Das waren gute und wertvolle Erfahrungen, die ich dort sammeln konnte. Dann habe ich noch Betriebswirtschaft studiert und viele Reisen gemacht, unter anderem nach Asien und Lateinamerika. Heute empfinde ich das Kloster nicht mehr als zu eng, sondern auch als eine Art Schutzraum, aber die Erfahrungen außerhalb der Klostermauern waren schon sehr wichtig für mich.

Sie sind viel unterwegs und suchen den Kontakt zu den Menschen. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Ich mache das sehr gerne, weil ich auch spüre, dass die Menschen auf der Suche sind nach einer Spiritualität, die ihnen entspricht, die ihre Sehnsucht anspricht. Und wenn ich dann erfahre, dass sie berührt sind, dann gibt mir das ja auch Energie. Manche sagen, das sei zu viel Arbeit, die viel Energie koste, aber diese Arbeit kann auch viel Energie spenden.

Sie sind über 70 und jeden Tag mindestens 16 Stunden auf den Beinen. Was gibt Ihnen die Kraft dazu?

Erstens hilft mir, dass ich kein Perfektionist bin. Das spart schon mal Energie. Die langen Autofahrten sind manchmal schon erschöpfend, aber da höre ich gute Musik, Bach oder Mozart, und mein Handy ist dann aus. Musik und Ruhe geben mir auch Kraft. Und natürlich Gott und seine Botschaft.

AdventsZeit 2019 (c) Robert Boecker

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