(c) Jan Sting

Bibelgarten: Palmen, Psalme und Oliven

  • 09.07.19 13:18
  • Jan Sting
  •   Glaubensmagnete

Der Zaunkönig hüpft im Stall zu Bethlehem auf die Krippe und verschwindet im Gebälk. Sein Lebensmittelpunkt ist der Bibelgarten im Pilgerheim Weltersbach, einer Einrichtung des Diakoniewerks der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinden im bergischen Städtchen Leichlingen. Mit rund 90 biblischen Pflanzenarten und ihren Samen ist der Tisch für Vögel und Insekten reich gedeckt. Überall summt und brummt es, auch wilde Pflanzen wachsen am gurgelnden Bach. Auf  dem 1700 Quadratmeter großen Gelände einer ehemaligen Sumpfwiese zwischen Böschung und Bach wurden 24 Beete angelegt. Sie spiegeln Szenen und Psalmen aus der Bibel wider.

Rundgang von der Schöpfung bis zur Auferstehung

Auf einer kleinen Insel im Weltersbach ist ein Weidenkorb gestrandet - umgeben von Schilf, Rohrkolben und Wasserlilien. Die Geschichte Mose, der in einem ähnlichen Körbchen gelegen haben dürfte, ist am Ufer nachzulesen. Angelika Noß, sie ist die Frau des Geschäftsführers Joachim Noß, hat den Garten angelegt. Sie dachte ursprünglich an einen Selbstläufer. Aber mittlerweile gibt es rund 60 Führungen im Jahr. Es kommen Schulklassen, Vereine, Parteien und Gemeinde unterschiedlicher Konfessionen. Für Angelika Noß ist es ein ökumenischer Garten: „ Die biblischen Szenen, die hier dargestellt sind, führen den Besucher zu Fuß durch die ganze Bibel – von der Schöpfung bis zur Auferstehung Jesu“, sagt Noß. Der Zugang zu biblischen Geschichten ist zum Greifen nah. Zachäus der unbeliebte Steuereintreiber steigt in der Bibel auf einen Maulbeerbaum, um Jesus zu sehen. Warum nicht einen solchen Baum anpflanzen? Er ist im  Bibelgarten nicht die einzige exotische Pflanze. Es gibt Palmen, einen   Olivenhain am Fuße knorriger Buchenwurzeln, der an die Prophezeiung auf dem Ölberg erinnern soll, Koriander, Kamille, Knoblauch, Oregano, Senf, Lorbeer, Lavendel oder Ysop verbreiten eine eigene Duftwelt.  Wichtig sind Angelika Noß aber auch die wilden, ungepflegten Flecken im Garten:  „Brennnesseln, warum? Das bringt den Raupen von 50 Schmetterlingsarten Nahrung. Das ist großartig und das versuchen wir zu unterstützen, den Schöpfungsgedanken zu vermitteln."

Sicht aus der Seniorenschaukel

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Der Garten strahlt Ruhe aus und lädt zum Verweilen ein. Das gilt zumal für die Seniorenschaukel, die speziell für die Bewohner des Pilgerheims angelegt wurde. „Da ist die Sichtachse so gesetzt, dass man in den Bibelgarten hineinschaut. Man schaut auf ein Lilienbeet, man schaut auf das leere Felsengrab, man schaut auf die Emmaus-Jünger, die mit dem auferstandenen Jesus unterwegs sind und das sind Komponenten, wo ich sage, das ist unser Leben: Wachsen, Vergehen, Auferstehen. Und das zu wissen und damit weiterzugehend, ja ich denke das macht stark“, sagt Noß.

Führungen für Gruppen sind möglich, müssen aber bei Angelika Noß unter 02174 / 30145 oder per E-Mail angemeldet werden. pilgerheim@weltersbach.org

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